Was ist der Unterschied zwischen Yoga und Meditation?

Sowohl Meditation als auch Yoga werden immer populärer bei uns. Die Menschen sehnen sich nach Ruhe und Ausgeglichenheit und diese beiden Disziplinen sind die perfekte Antwort darauf. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Yoga und Meditation? Und was sind deren Vor- und Nachteile?

Im Grunde genommen gibt es keinen essenziellen Unterschied zwischen Meditation und Yoga. Beide verfolgen dasselbe Ziel, nämlich die Selbstverwirklichung. Während man Meditation jedoch eher als praktische Übung sieht, die auch Teil des Yoga ist, steht hinter dem Wort Yoga ein riesiges Philosophie-System mit den verschiedensten Richtungen.

Hatha Yoga – Das Yoga des Körpers

Das bei uns verbreitete und zumeist praktizierte Yoga ist das sogenannte Hatha Yoga. Beim Hatha Yoga geht es darum, den Körper gesund und stark zu halten und so zu innerem Frieden zu finden. Teil des Hatha Yoga sind:

  • Körperstellungen (Asanas)
  • Pranayama (Atemübungen)
  • Reinigungsübungen (Shatkriyas)
  • Ernährung
  • generell gesunde Lebensweise

Hatha Yoga ist jedoch nicht das, was Yoga ausmacht. Tatsächlich ist Hatha Yoga die modernste Form des Yogas, die erst im 14. Jahrhundert durch die Hathayogapradipika wirklich an Bekanntheit gewann. Andere, traditionelle Yogawege gehen viel weiter zurück.

Meditation im traditionellen Yoga

Während Meditation kein fester Bestandteil vom Hatha Yoga ist, spielt sie in den traditionellen Yogawegen eine zentrale Rolle. Vor allem im Raja Yoga, dem Yoga des Geistes, dreht sich alles um Meditation. Aber auch im Jnana Yoga, dem Yoga des Wissens, ist die Meditation essenziell.

Die anderen beiden traditionellen Yogawege sind das Bhakti Yoga, das Yoga der Hingabe zu Gott, und das Karma Yoga, das Yoga des guten Handelns. In diesen beiden wird Meditation als solche nicht vordergründig praktiziert, jedoch sind auch diese durch einen zutiefst kontemplativen Lebensstil geprägt.

Was meinen wir mit dem Wort “Yoga”?

Um herauszufinden, was die Unterschiede zwischen Meditation und Yoga sind, müssen wir zuerst schauen, was wir eigentlich mit dem Wort Yoga meinen. Beziehen wir uns mit dem Wort Yoga ausschließlich auf das Hatha Yoga, das körperliche Yoga, dann gibt es einen großen Unterschied zwischen Meditation und Yoga.

In diesem Fall ist Yoga eher das Training des Körpers und Meditation das Training des Geistes.

Meinen wir mit “Yoga” jedoch die uralte Tradition, die Philosophie und das Streben nach Yoga (wörtlich: Einheit), dann können wir uns die Praxis der Meditation aus dem Yoga nicht weg denken. Meditation ist die Übung, die von traditionellen Yogis am meisten gelehrt wird und die am meisten Früchte trägt.

Yoga im traditionellen Sinne ist nicht nur eine Übung. Yoga ist ein Lebensstil, ein Ziel, eine Einstellung. Im Yoga geht es darum, die Einheit zu erreichen – die Einheit mit Gott, dem Universum, dem Leben, … Meditation ist Teil dieses Lebensstils, nämlich die praktische spirituelle Übung, um diese Einheit tatsächlich zu verwirklichen.

Im engeren Sinne können wir auch sagen, dass Yoga die Einheit mit dem Körper bedeutet. Das wäre die Sichtweise des Hatha Yogas, die auch richtig ist. Letztlich ist das Ziel von Yoga die Einheit mit Allem, also auch mit dem Körper. Hier spielt Meditation zwar keine zentrale Rolle, wird von Hatha Yogis in der Regel trotzdem ergänzend praktiziert.

Erst Hatha Yoga oder Meditation?

Wenn du sowohl Hatha Yoga und Meditation praktizierst, fragst du dich vielleicht, in welcher Reihenfolge du sie üben solltest.

Im Yoga Sutra beschreibt Patanjali den Weg zu Erleuchtung in 8 Stufen. Aus seiner Reihenfolge können wir entnehmen, welche Reihenfolge die beste für unsere individuelle Praxis ist. Er sagt, zuerst sollten die Yamas und Niyamas geübt werden (die ethische Verhaltensregeln), dann Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemkontrolle) und erst dann Meditation.

Für meine eigene Praxis hat sich das intuitiv auch so ergeben. Erst wecke ich den Körper auf, dann arbeite ich mit dem Atem und dann gehe ich tiefer und tiefer in die Meditation. Es ist sozusagen ein gradueller Prozess von Außen, dem Körper, nach Innen, zum Geist.

Wenn du weder Hatha Yoga noch Meditation übst, beides aber mal ausprobieren möchtest, würde ich dir empfehlen, mit deinem Bauchgefühl zu gehen. Was fühlst sich für dich in diesen Moment wichtiger an?

Hatha Yoga hat den großen Vorteil, dass es deinen Körper stärkt und ihn letztlich auch fit für das Sitzen in der Meditation macht. Wenn du daher unsicher bist, fange am besten mit ein bisschen Hatha Yoga an und übe dich danach für ein paar Minuten in Meditation. So hast du das beste aus beiden Welten und dir entgeht nichts.

Was ist besser: Yoga oder Meditation?

Ob du lieber in die Yogastunde oder zu einem Meditationskurs gehen solltest kann ich dir nicht sagen. Es kommt ganz darauf an, was deine Ziele und Bedürfnisse sind. Beim Hatha Yoga hast du wie gesagt den Vorteil, dass du deinen Körper trainierst. Das ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll.

Bei der Meditation trainierst du deinen Geist, was langfristig mehr Potenzial in sich birgt, anfangs aber weniger Erfolg verspricht. Möchtest du daher schnelle Ergebnisse, d.h. möglichst schnell zur Ruhe finden und Stress loswerden, dann praktiziere lieber erst mal Hatha Yoga.

Möchtest du dein Leben langfristig in eine neue Richtung lenken, dann etabliere eine tägliche Meditationspraxis. Ergänzend dazu solltest du trotzdem Hatha Yoga oder etwas ähnliches praktizieren, um deinen Körper auf Vordermann zu halten.

Hatha Yoga meditativ praktizieren

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, Hatha Yoga meditativ zu praktizieren. In der Praxis sieht das so aus, dass du die Asanas länger hältst und dir generell mehr Zeit nimmst: zum Aufbauen und Abbauen der Stellungen, zum Zwischenentspannen und vor allem zum Atmen.

In meditativen Yogastunden solltest du mehr denn je auf deinen Atem achten und soweit es geht immer deine Augen geschlossen halten. Bleibe beim meditativen Hatha Yoga ganz bei dir und deinem Körper.

Yoga und Meditation lassen sich nicht trennen

Auch wenn es in der Theorie viele Unterschiede gibt, lassen sich Yoga und Meditation nicht voneinander trennen. In der Praxis gehen sie Hand in Hand und ergänzen sich wunderbar miteinander. Tatsächlich ist Meditation ein integraler Bestandteil des traditionellen Yoga und aus diesem nicht wegzudenken.

Andersherum ist es genauso. Jemand der ernsthaft meditiert, auch wenn er keine besonderen Körperstellungen übt, ist in meinen Augen ein Yogi – jemand, der nach Selbstverwirklichung strebt. Ob wir Yoga machen oder meditieren entscheidet sich daher nicht nur daran, was wir tun, sondern vor allem daran, wie und mit welcher Absicht wir es tun.

Grundlegende Unterschiede zwischen Meditation und Yoga gibt es nicht. Meditation ist eine Übung des Bewusstseins und Yoga beschreibt den Lebensstil, der dahin führt. Yoga und Meditation ergänzen sich miteinander, wie das Yin und Yang Zeichen.

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