Meditieren im Liegen: Das solltest du beachten

Vor allem Anfänger stellen sich oft die Frage, ob sie nicht einfach im Liegen meditieren können. Das Sitzen auf dem Boden kann anfangs unangenehm, anstrengend und so überhaupt nicht entspannend sein – gar nicht das, was man sich unter Meditation vorstellt.

Da wird das Kissen dann lieber beiseite gelegt und die Beine lang gemacht. Oft zum Erfolg derer, die es versuchen; plötzlich klappt es mit dem Konzentrieren besser und die Entspannung stellt sich auch ein. Doch ist Meditation im Liegen wirklich eine nachhaltige Übung?

Grundsätzlich ist es möglich, im Liegen zu meditieren. Der größte Vorteil ist dabei jedoch gleichzeitig auch das größte Problem, nämlich die tiefe Entspannung. Durch das Liegen entspannen wir oft so sehr, dass wir das Bewusstsein verlieren und einfach einschlafen.

Aus dem Nachteil einen Vorteil machen

Doch anstatt das als Grund dafür zu sehen, nicht im Liegen zu meditieren, können wir es uns auch zum Vorteil machen. Oft sind wir zu angespannt und gestresst, und wenn wir uns dann aufrecht hinsetzen und meditieren wollen, scheint die Anspannung und der Stress nur noch schlimmer zu werden. Im Liegen haben wir das Problem nicht – hier können wir mal wirklich loslassen.

Gerade für den modernen Mensch kann es also durchaus sehr sinnvoll sein, anfangs erstmal nur im Liegen zu meditieren. Nicht nur kann hier der hektische Alltag mal ganz vergessen werden, sondern auch die Konzentration auf den Atem oder ein anderes Meditationsobjekt kann deutlich leichter fallen.

Was es zu beachten gibt

Um aus der Meditation im Liegen wirklich das meiste herauszuholen, gibt es jedoch ein paar Dinge zu beachten. Denn natürlich wollen wir nicht einfach schlafen oder uns nur ausruhen, sondern wirklich meditieren. Unsere Meditationspraxis sollte also trotz der liegenden Position einen gewissen Plan verfolgen und nicht einfach nur zum Abschalten dienen.

  • Lege dich auf den Rücken auf einer möglichst harten Oberfläche. Flach auf dem Rücken liegend fällt es den meisten Menschen am schwersten einzuschlafen. Das ist für uns natürlich ideal, da wir bei der Meditation im Liegen zwar entspannen, aber nicht die Grenze zum Schlaf überschreiten wollen. Hier gilt es also, den “Sweetspot” zu finden, bei dem wir noch wach sind, aber trotzdem entspannen können. Im Bett zu meditieren ist daher in der Regel keine gute Idee, da hier instinktiv eine Verbindung mit dem Schlaf hergestellt wird. Eine Decke oder Matte auf dem Boden ist oft die bessere Wahl.
  • Sorge dafür, dass du für die Zeit der Meditation nicht abgelenkt wirst. Auch wenn wir sitzen ist es wichtig, dass wir möglichst ohne Ablenkungen meditieren. Im Liegen ist dies umso wichtiger. Wenn wir im Liegen meditieren gehen wir oft in sehr tiefe Bewusstseins- und Entspannungszustände, die wir nicht schlagartig durch ein Klingeln des Telefons oder ähnliches verlassen wollen. So wie wir in die Meditation im Liegen hereingehen, nämlich langsam, wollen wir sie auch wieder verlassen.
  • Habe einen Plan für deine Meditation. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Im Liegen zu meditieren verleitet dazu, einfach abzuschalten, einzuschlafen oder in Fantasien zu schwelgen. Auch wenn diese Dinge sicherlich wichtig sind, sollten sie hier nicht unser Ziel sein. Wir wollen meditieren. Vorher festzulegen, wie genau wir das tun, ist daher sehr wichtig.

Möglichkeiten, um erfolgreich im Liegen zu meditieren

Es gibt verschiedene Wege, die Meditation im Liegen zu praktizieren. Manche Übungen sind eher für das Liegen geeignet, andere weniger. Prinzipiell sind alle Meditationen, die wirklich tiefe Entspannung erfordern, gut im Liegen zu praktizieren. Dazu gehören:

  • Geführte Meditationen. Geführte Meditationen sind gut für das Liegen geeignet, da sie uns einen Anker geben, an dem wir uns festhalten können. Sie leiten uns durch den Prozess, was das Abschweifen in Tagträume oder das Einschlafen unterbindet.
  • Klangmeditationen/binaurale Beats. Mit Klangmeditationen oder binauralen Beats ist es ähnlich wie mit geführten Meditationen. Sie nehmen uns an die Hand und sorgen dafür, dass wir wach und aufmerksam bleiben – und gleichzeitig tiefe Bewusstseinszustände erreichen können.
  • Visualisierungs-Meditationen. Visualisieren fällt leichter, wenn wir wirklich tief entspannen können. Meditationen die Visualisierung im Mittelpunkt haben sind daher auch super für das Meditieren im Liegen geeignet.
  • Klassische Achtsamkeitsmeditation. Auch die klassische Achtsamkeitsmeditation kann im Liegen praktiziert werden. Hier können wir unseren Atem oder auch unseren ganzen Körper als Fokuspunkt nehmen. Da der Körper im Liegen sehr entspannt ist, können auch ein Bodyscan oder ähnliche Übungen mit dem Körpergefühl sehr wirkungsvoll sein (auch in Verbindung mit den anderen Meditationsübungen).

Sobald wir im Liegen einen tieferen Entspannungszustand erreichen, kann gemeinsam mit unserer Wachheit auch unsere Konzentration schwinden. Zu einem gewissen Grad können wir das zulassen. Irgendwie geht es bei der Meditation im Liegen ja auch darum: nicht allzu versteift zu sein und den Prozess sich dynamisch entwickeln lassen.

Während ein klarer Plan am Anfang der Meditation also sehr wichtig ist, sollten wir uns auch nicht zu sehr einschränken. Im Liegen können wir Zustände erreichen, durch die wir uns am besten mit einem offenen Geist navigieren. Reine Konzentrationsübungen sind eher für das Meditieren im Sitzen geeignet.

Beim Einschlafen meditieren

Auch wenn wir Abends nach einem langen Tag im Bett liegen bietet es sich an zu meditieren. Vor allem das bewusste und ruhige Einschlafen ist eine Praxis, die unseren Schlaf und unser generelles Wohlbefinden enorm verbessern kann. Die Entspannung beim Liegen kommt uns hier natürlich zugute.

Vielleicht gehörst du wie ich zu den Menschen, die Abends im Bett viele Gedanken und Fantasien haben. Gerade dann kann eine Meditation vor und bei Einschlafen sehr sinnvoll sein. Ich mache es immer so, dass ich mich 10-20 Minuten flach mit dem Rücken aufs Bett lege und einfach meinen Atem, die Empfindungen in meinem Körper und den Raum vor meinem inneren Auge beobachte. Oft kommen Gedanken und tragen mich davon, doch ich komme immer wieder zu diesen Wahrnehmungen zurück. Nachdem ich eine gewisse Zeit so meditiert habe, drehe ich mich auf die Seite und schlafe ein.

Diese Übung hilft mir sehr dabei, den Geist vor dem Einschlafen nochmal zu beruhigen und besser einzuschlafen und frischer aufzuwachen.

Alle Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile im LiegenNachteile im Liegen
Entspannen fällt viel leichterDie tiefe Entspannung verleitet oft zu ungewolltem Einschlafen
Sehr gut geeignet für geführte und ähnliche MeditationenKonzentration kann schnell nachlassen und Gedanken intensiver/ablenkender sein
Auch als Anfänger können tiefe Bewusstseinszustände erreicht werdenLässt sich schwer kontrollieren und reproduzieren
Kann Abends im Bett zum Einschlafen praktiziert werdenEs ist deutlich schwerer, eine feste Praxis daraus zu machen
Man muss nicht in einer bestimmten Position sitzen können – jeder kann liegenDie Fortschritte sind weniger stark, da Fokus mehr auf Entspannung als auf Konzentration

Auch Sitzen kann einfach und entspannend sein

Bei all dem Gerede über das Meditieren im Liegen sollten wir nicht vergessen, dass auch das Meditieren im Sitzen genauso einfach und entspannend sein kann – und dass es einen Grund hat, dass Meditation normalerweise im Sitzen geübt wird. Vielen Menschen fehlt schlicht die richtige Einweisung in eine Sitzposition, die für sie geeignet und angenehm ist. Ist diese einmal gefunden, dann nimmt das Meditieren im Sitzen eine ganz neue Gestalt an.

Solange dies jedoch noch nicht klar ist und das Sitzen noch geübt wird, ist das Meditieren im Liegen eine hervorragende Möglichkeit, trotzdem schon zu meditieren und eine Praxis aufzubauen. Und auch wenn du schon ohne Probleme sitzen kannst und eine feste Routine hast, solltest du das Meditieren im Liegen auf jeden Fall mal ausprobieren. Es kann eine wirklich schöne Ergänzung zur gewohnten Praxis sein und buchstäblich eine neue Perspektive bringen.

Letztlich kommt es jedoch auf die Übung an und darauf, was du mit ihr erreichen willst. Das Liegen eignet sich besonders für Meditationen, bei denen du an die Hand genommen wirst und abschalten kannst. Es ist in jeder Hinsicht eine passive Meditation.

Probiere es daher einfach mal aus und gib dem Meditieren im Liegen eine Chance. Es ist eher einer Entspannungs- als eine Konzentrationsübung, aber auch dies ist für unsere Meditationspraxis von großer Bedeutung.

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