Ursprung und Geschichte der Meditation

Meditation verbreitet sich mehr und mehr in unserer westlichen Welt und verhilft vielen Menschen zu innerem Frieden. Doch woher stammt das Meditieren eigentlich und wie hat es sich im Laufe der Zeit entwickelt?

In diesem Artikel wollen wir dem Ursprung der Meditation auf die Schliche gehen und probieren, die Geschichte und Entwicklung der letzten paar Jahrtausenden zu rekonstruieren.

Was meinen wir eigentlich mit Meditation?

Meditation kann vieles sein. Allein die uns heute bekannten Meditationstechniken unterscheiden sich teilweise stark in ihrer Herangehensweise. Manche sind sehr passiv, andere wiederum sehr aktiv. Manchmal ist mit Meditation eine Tätigkeit gemeint, manchmal ein Zustand oder eine Qualität.

In diesem Artikel wollen wir daher jede Übung beachten, die unter das Wort “Kontemplation” fällt. Also nicht nur die klassische Atemmeditation im Sitzen, sondern alles wo wir unseren Blick nach Innen richten und geistig etwas ergründen oder beobachten wollen.

Wie lange gibt es Meditation also schon?

Meditation ist so alt und über so viele verschiedene Kulturen hinweg verbreitet, dass es schwierig ist die Entstehung genau zurückzuverfolgen. Über Dinge intensiv nachzudenken und sich zu besinnen ist wahrscheinlich eine Praxis, die so alt wie die Menschheit selbst ist. Doch wann gab es die ersten Zeichen von wirklich klassisch meditierenden Menschen?

Um 3500 – 5000 v. Chr. entstanden in Indien die ersten Höhlenmalereien die heute noch erhalten sind und auf eine Kultur der Meditation hindeuten. Auf ihnen sieht man Menschen in Meditationshaltungen mit halb geschlossenen Augen sitzen, scheinbar in tiefe Kontemplation versunken.

Experten gehen davon aus, dass sich um diese Zeit die Praxis der Meditation wirklich entwickelt hat. Es ist jedoch auch möglich, dass Meditation schon lange davor – in den Zeiten von Jägern und Sammlern – von großer Bedeutung war. So denken manche, dass Meditation ihren Ursprung schon weit vor der Entstehung jeglicher Zivilisation hat.

Das erste wirklich eindeutige Zeichen auf eine Meditationspraxis der Menschen finden wir jedoch erst 1500 v. Chr. in den Veden. Durch sie entstand die erste Tradition der Meditation, die bis heute noch erhalten ist. In ihrer Entstehungszeit war Meditation eine Übung für religiöse Menschen und Wandermönche, die sich für ihre Praxis oft in Höhlen zurückzogen und dort tiefe Kontemplation übten.

Wie die ersten Techniken aussahen können wir nur erahnen. Wahrscheinlich waren es einfache Formen der Mantrameditation, des Starrens oder der Konzentration auf eine abstrakte göttliche Vorstellung.

Doch auch hieraus können wir nicht entnehmen, wie lange es Meditation schon gibt. Bevor die Veden schriftlich verfasst wurden, waren ihre Inhalte bereits Teil der Kultur und wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Wir können also davon ausgehen, dass es Meditation in irgendeiner Form schon sehr lange davor gegeben hat und sich erst mit der Zeit klare Traditionen und religiöse Übungen daraus gebildet haben.

Eine grobe Zeitachse: Was wir wissen

Was den Ursprung und die Geschichte angeht können wir leider nur das wissen, was in irgendeiner Form – sei es Bild oder Schrift – festgehalten wurde. Alles andere, was davor und dazwischen stattgefunden hat, lässt sich von uns nur erahnen und nicht klar rekonstruieren.

Heute haben wir schon ein relativ gutes Bild davon, wie sich Meditation in den letzten Jahrtausenden entwickelt hat. Die Wurzeln und der genaue Ursprung sind für uns jedoch weiterhin ein Rätsel, das wir wahrscheinlich nicht so schnell lösen werden. Es ist möglich, dass uns entscheidende Momente in der Geschichte fehlen und wir nie herausfinden werden, wie Meditation entstanden ist.

Was wir jedoch an den vorhandenen Daten sehen können, ist, dass Meditation auf jeden Fall eine bedeutende Rolle in der Geschichte und Entwicklung verschiedener Völker und Traditionen gespielt hat. Heute können wir hoffen, dass sich Meditation auch in unserer modernen Kultur so fest verankert und nicht abhandenkommt.

5000 – 3500 v. Chr. Wandbilder in Asien zeigen meditierende Menschen
16. Jh. v. Chr. Entstehung der Veden, erste schriftliche Meditationsanleitungen
500 – 600 v. Chr. Siddhartha Gautama verbreitet Meditation in Indien, Taoismus entwickelt sich in China
300 v. Chr. Im antiken Griechenland entwickeln die Stoiker ihre eigenen Meditationstechniken
400 v. Chr – 200 n. Chr. Entstehung weiterer Schriften die Meditation behandeln (Yoga Sutra, Bhagavad Gita)
550 Verbreitung der buddhistischen Zen-Meditation in Japan
900 – 1300 Meditatives Beten verbreitet sich in der griechisch-orthodoxen Kirche
12. Jh. Dhikr wird eins der grundlegenden Elemente im Sufismus
18. Jh. Die ersten Übersetzungen der traditionellen Schriften gelangen in den Westen
19. Jh. Westliche Philosophen wie Schopenhauern beschäftigen sich mit Meditation, Swami Vivekananda bringt Meditation nach Amerika
20. Jh. Wirkungen der Meditation werden ausführlich erforscht, die ersten Meditationsprogramme für den modernen Menschen entstehen
21. Jh. Meditation verbreitet sich mehr und mehr weltweit

Meditation in den verschiedenen Kulturen und Religionen

Der norwegische Wissenschaftler Svend Davanger hat eine Vielzahl an verschiedenen Befunden bezüglich des Ursprungs und der Geschichte von Meditation untersucht und spekuliert, dass Meditation so alt ist wie die Menschheit selbst und eventuell bis in die Zeit der Neandertaler zurückgeht.

Grund dafür ist vor allem, dass sich Hinweise auf Meditation in den verschiedensten Regionen und Kulturen dieser Welt finden lassen.

Meditation in Indien

Indien ist das Land, das am meisten mit Meditation in Verbindung gebracht wird – zurecht. In Indien finden wir die ersten Bilder und Texte, die auf eine Meditationspraxis schließen lassen.

So wird in den ältesten erhaltenen Dokumenten bereits von Dhyana gesprochen, einpünktiger Konzentration. Dhyana ist eine fortgeschrittene Meditationsübung bzw. ein Meditationsstadium, bei dem der Meditierende seinen Geist vollständig auf ein einziges Objekt fokussieren kann.

Etwa 1000 Jahre nachdem die ersten uns bekannten schriftlichen Aufzeichnungen Meditationspraktiken erwähnen, lebte der Buddha Siddhartha Gautama in Indien und verbreitete Meditation an eine breite Masse von Menschen. Seine Lehre war für viele eine Alternative zu den strengen Praktiken der Yogis und Asketen.

Siddhartha Gautama probierte viele spirituelle Übungen aus, doch stellte fest, dass keine von ihnen das grundlegende Problem des Leidens löst. Erst als er die einfachste aller Meditationsübungen praktizierte, das stille Beobachten, erlangte er Erleuchtung und wurde zum Buddha.

In den kommenden Jahrhunderten verbreitete sich die Herangehensweise Buddhas über ganz Asien und viele verschiedene Traditionen formten sich aus ihr. Die bekanntesten Meditationsübungen des Buddhas waren Vipassana, Metta und Gehmeditation, die auch heute noch immer von unzähligen Menschen praktiziert werden.

Neben den Lehren Buddhas verbreitete sich in Indien zu dieser Zeit (500 – 600 v. Chr) außerdem der Jainismus, eine der ältesten Religionen überhaupt. Der Jainismus soll von Mahavira gegründet worden sein und legt Gewicht auf Gewaltlosigkeit, Reinheit, Disziplin und Selbsterforschung, die vor allem durch Mantra- und Atemmeditation praktiziert wird.

Meditation in China

In China geht die Entstehung der Meditation auf Laotse zurück, den Begründer des Taoismus. Er soll vor etwa 2500 Jahren gelebt haben und ist heute vor allem durch das Tao Te Ching bekannt, ein philosophisches Werk aus dem sehr gerne zitiert wird.

Im Tao Te Ching werden die Grundgedanken des Taoismus veranschaulicht und oft Bezug auf meditative Übungen genommen. Die Hauptlehre des Taoismus ist die Stille, in der sich alle Weisheit finden lassen soll.

Etwa 1000 Jahre später entstand in China der Zen-Buddhismus, der von Bodhidharma, dem Begründer des Zen, von Indien hergebracht wurde. Zen ist stark vom Taoismus beeinflusst, legt jedoch besonders viel Gewicht auf eine disziplinierte Meditationspraxis.

Durch die nach China gebrachte Lehre von Bodhidharma entwickelte sich die Chan-Schule in China, die Seon-Schule in Korea, die Zen-Schule in China und die Thien-Schule in Vietnam. Zusammengefasst werden diese als Zen.

Meditation in Japan

Die Meditation in Japan wurde stark durch den Zen-Buddhismus beeinflusst und ist heute vor allem durch die Meditatonsübung Zazen bekannt – stilles Sitzen. Verbreitet wurde diese Lehre im 7. Jahrhundert n. Chr. durch den japanischen Mönch Dosho. Dieser reiste nach China zu dem Meditationsmeister Hsuang Tsang, um in das Zen eingewiesen zu werden.

Nachdem er alles nötige gelernt hatte, kehrte er nach Japan zurück und eröffnete dort das erste Meditationszentrum. Daraus entstand eine große Gemeinschaft aus Zen-Praktizierenden, die Zazen schließlich im ganzen Land verbreiteten.

Meditation im Judentum

Meditative Übungen sind im Judentum relativ stark verbreitet. So spricht man im Hebräischen von hitbodedut, was wörtlich so viel wie Selbst-Zurückgezogenheit heißt, und hitbonenut, Kontemplation. Im Laufe der letzten Jahrhunderte haben sich viele verschiedene Strömungen der Meditationspraxis im Judentum entwickelt.

Jüdische Meditation besteht im Einsatz des Verstands, in Introspektion, Visualisierung, Umgang mit Emotionen oder im Konzentrieren auf religiöse, philosophische oder mystische Ideen. Vor allem in der mystischen Tradition Kabbala werden diese Formen der Meditation praktiziert.

Meditation im Christentum

Auch christliche Mystiker haben ihre eigene Form der Meditation entwickelt, hauptsächlich basierend auf der stillen Kontemplation oder der Wiederholung eines heiligen Worts oder Ausspruchs.

Eine relativ bekannte christliche Meditation ist das sogenannte “Jesus Gebet”, das vor ungefähr 1000 Jahren in der griechisch-orthodoxen Kirche entstanden ist. Geschichtsforscher vermuten hier einen Kontakt mit der islamisch-mystischen Tradition des Sufismus oder mit den Indern.

Auch von christlichen Persönlichkeiten wie Martin Luther wissen wir, dass er eine meditativ-kontemplative Praxis hatte. So schrieb er: “Drei Dinge machen einen Theologen: Die Meditation oder Nachsinnung, das Gebet und die Anfechtung.”

Meditation im Islam

Hinweise auf eine Meditationspraxis im Islam finden wir vor allem bei den Sufis (erstmals im 7./8. Jahrhundert). Im Sufismus wird Meditation Dhikr (Gedenken an Gott) genannt und auf unterschiedliche Weisen praktiziert.

Zum einen haben wir den eher klassischen Ansatz, bei dem hauptsächlich mit dem Atem, einem Mantra oder einer göttlichen Vorstellung meditiert wird. Zum anderen besteht Meditation im Sufismus auch in einer aktiven Meditation, nämlich dem Drehtanz. Hier wirbelt sich der Praktizierende (Derwisch) so lange um die eigene Achse, bis er in tiefe Trance gerät.

Meditation in der Antike

Im antiken Griechenland lassen sich verschiedene Meditationstechniken in der philosophischen Strömung Stoa finden. Die vier wichtigsten Tugenden der griechischen Stoiker waren Mut, Ausgeglichenheit, Disziplin und Weisheit – und ihre Meditationen sollten diese Qualitäten hervorheben.

Eine Meditationstechnik von dem Philosophen Hierokles bestand zum Beispiel in der Visualisierung von Kreisen, die ausgehend von einem selbst die Familie und Freunde, die Stadt, das Land und letztlich die ganze Welt einschlossen. Ziel der Meditation ist das Gefühl der Einheit mit allen anderen Menschen.

Das Üben der geistigen und körperlichen Stille, dem Zurückziehen der Sinne und dem Konzentrieren auf das Innere war jedoch generell ein besonders wichtiger Bestandteil der stoischen Lebensweise. Teilweise haben sich die Griechen dabei von den Indern inspirieren lassen, hatten aber auch davor schon ihre eigenen meditativen Übungen.

Meditation in indigenen Völkern

Von vielen indigenen Völkern wissen wir, dass meditative Rituale und Übungen ein wichtiger Teil ihrer Kultur waren und auch noch sind. Leider gab es diesbezüglich nie schriftliche Aufzeichnungen, da die Weisheit eines Stammes traditionell immer von Generation zu Generation, allein durch das mündliche Unterrichten weitergegeben wurde.

Genau zu sagen, welche Völker wie meditiert haben – und ob die Übungen überhaupt unter Meditation fallen würden –, ist daher schwer zu sagen. Heute wissen wir zumindest, dass Achtsamkeit und das Fühlen statt dem Denken ein integraler Teil des alltäglichen Lebens dieser Kulturen war (und noch ist). Es ist jedoch zu bezweifeln, dass sie wir wir heute eine Tätigkeit daraus gemacht haben oder einen bestimmten Namen dafür hatten.

Die Geschichte der Meditation im Westen

Meditation begann für die westliche Welt erst im 18. Jahrhundert mit den ersten Übersetzungen der traditionellen Schriften in europäische Sprachen von Interesse zu werden. Zu den Schriften gehörten:

  • Das Dhammapada, die wichtigsten Lehren des Buddha Siddhartha Gautama
  • Die Upanishaden, der letzte und wichtigste Teil der Veden
  • Die Bhagavid Gita, ein Gespräch zwischen Krishna und Arjuna aus der Mahabharata, einem hinduistischen Epos

In den 1700er Jahren hatte Meditation aber noch lange keinen Fuß in der westlichen Kultur gefasst. Anfangs dienten diese Schriften lediglich dem intellektuellem Teil der Bevölkerung als interessantes Gesprächsthema. Von einer wirklichen Meditationspraxis konnte man hier lange noch nicht sprechen.

Erst gut 200 Jahre später begann Meditation auch langsam der normalen Bevölkerung zu Ohren zu kommen. Grund hierfür ist Swami Vivekananda, der aus Indien nach Amerika kam und vor dem Weltparlament der Religionen in Chicago erstmals über die Praktiken der indischen Yogis und Weisen sprach.

Sein Vortrag erweckte ein großes Interesse in der amerikanischen Bevölkerung und schon bald machten sich weitere Mönche aus Indien auf den Weg nach Amerika, um Yoga und Meditation zu lehren. Mit ihren Büchern trugen unter anderem Swami Rama und Paramahansa Yogananda dazu bei, dass die Geheimnisse des Ostens auch endlich im Westen Gehör fanden.

Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen

Seitdem hat sich viel getan. Meditation wird schon lange nicht mehr als eine Übung angesehen, die nur indischen Yogis vorbehalten ist. Die Wirkungen der Meditation wurden im 20. Jahrhundert ausführlich erforscht und wissenschaftlich bestätigt. Die aus dem Osten kommenden Lehrer schreckten nicht davor zurück, ihre durch Meditation entwickelten Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

So unterwarf sich Swami Rama in den 1960er Jahren ausführlichen Untersuchungen westlicher Forscher und demonstrierte seine Fähigkeiten. Unter anderem zeigte er:

  • wie er seiner Umgebung komplett bewusst bleiben konnte, obwohl sein Gehirn im Tiefschlaf war
  • wie er seine Gehirnwellen nach Belieben in Alpha, Delta, Theta und Gamma verwandeln konnte
  • wie er die Temperatur an der Haut an seinen Händen verändern kann, indem er seine Blutgefäße ausdehnte oder zusammenzog
  • wie er in kompletter körperlicher Stille seinen Herzschlag auf bis zu 300 erhöhen kann und ihn danach innerhalb von ein paar Minuten so tief senken kann, dass sein Herz für ein paar Sekunden komplett still steht

Aus den Ergebnissen resultierten viele weitere Studien bezüglich den Möglichkeiten der Meditation. So wurden auch Meditierende aus anderen Traditionen, insbesondere Zen-Mönche und tibetische Lamas, von westlichen Wissenschaftlern erforscht.

Ein Vorreiter in dieser Forschungsentwicklung war Dr. Herbert Benson, der in den 1970er Jahren die Wirksamkeit von Meditation an der Harvard Universität unter Beweis gestellt hat. Das war der Zeitpunkt, an dem Meditation wirklich als wirkungsvolle Übung anerkannt wurde, die von jedem praktiziert werden kann.

Meditation ist Teil des Menschen

Auch wenn wir die Geschichte und den Ursprung der Meditation leider nicht vollständig nachvollziehen und rekonstruieren können, wird durch die Daten, die uns zur Verfügung stehen, doch deutlich, dass Meditation in verschiedenen Arten und Formen seit Jahrtausenden von unterschiedlichen Menschen praktiziert wurde.

Während Meditation anfangs hauptsächlich als religiöse Übung gesehen wurde, hat es sich im Laufe der Zeit zu einer Praxis entwickelt, die auch von nicht-religiösen Menschen geübt wird. Heute ist Meditation auch in der westlichen Zivilisation angekommen und wird von vielen Menschen im Umgang mit Stress, Angst und anderen geistigen Beschwerden eingesetzt.

Was ich aus der Recherche für diesen Artikel gelernt habe ist, dass Meditation zum Menschsein dazugehört. Jeder braucht mal Ruhe und die Möglichkeit, sich gezielt auf etwas konzentrieren zu können – sei es auf uns selbst, unsere Umgebung oder eine Idee. Meditation hilft den verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Ansichten und Lebensweisen. Es ist dynamisch, individuell und kann von jedem geübt werden.

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